
Bürgerhaus des Bürgervereins Finkenkrug in der Feuerbachstraße 23, 14612 Falkensee, in etwa 2005 und 2009.
I Historie
Seit über 100 Jahren steht die sogenannte Spiegelbildvilla an ihrem Platz. Ihre wechselvolle Geschichte reicht von der Kaiserzeit über Weimarer Republik, Faschismus, Sozialismus und der Wendezeit bis in unsere Tage und sicher noch lange darüber hinaus.
Am 13.2. 1900 stellte der Techniker Richard Döbberin aus Spandau an den kaiserlichen Amtsrat den Antrag zur Gründung einer neuen Ansiedlung, in der Gemarkung Seegefeld. Schon im gleichen Jahr lagen die Pläne zum Bau der Spiegelbildvillen vor. Auf 2350 Quadratmetern wurden 1902 zwei völlig identische Häuser, die spiegelverkehrt nebeneinander liegen, errichtet. Heute ist das Grundstück getrennt.
Das Gebäude in der heutigen Feuerbachstraße 23 überstand nicht nur die Zeit, sondern auch die wechselnden Besitzer und mehr oder weniger gelungene Um- und Anbauten. Den ersten 1921, den vorerst letzten in den Jahren 2003 bis 2005 durch den Einsatz der Mitglieder des Bürgervereins.
II. Zwischenzeit
Bis zum Jahr 2000 diente das Haus als Wohnhaus mit wechselnden Besitzern. Zwei traurige Jahre stand das Gebäude leer und glich bald mehr einer Ruine denn einem Wohnhaus. Im Jahr 2002 erwarb die Stadt Falkensee Haus und Grundstück. Seit 2003 ist der Bürgerverein Finkenkrug Mieter der damals recht heruntergekommenen Villa.
Die Idee des Vereins war es, an zentraler Stelle eine Begegnungsstätte für alte und neue Finkenkruger und ihre Freunde zu schaffen - angesichts der maroden Bausubstanz ein anspruchsvolles Vorhaben. Zu schaffen war das nur mit viel Idealismus, körperlichem Einsatz und materieller Unterstützung.
III. Umbau
Ein Gebäude für eine öffentliche Nutzung umzubauen ist von vielen Vorschriften bestimmt, deren wir uns am Anfang nicht immer in ihrer Ganzheit bewusst waren. Als erstes sollte nach unseren Vorstellungen ein Raum, der heutige „Ballsaal“, für Veranstaltungen jedweder Art geschaffen werden. Es wurden Wände herausgeschlagen und neue Träger eingezogen. Auf dem Programm der Mitglieder standen der Einbau einer neuen Heizungsanlage, eine neue Elektroverteilung, die sanitäre Ausstattung, samt komplett neuer Verrohrung. Ein Vorraum mit Garderobe wurde geschaffen. Eine brauchbare Küche sollte entstehen. Das hieß fliesen, fliesen, fliesen.
Ein neuer Dielenfußboden wurde verlegt.
Die schönen aber aufwendig zu streichenden Fenster wurden fachgerecht saniert. Es wurde und wird gewerkelt in Eigeninitiative.
Behindertengerecht war eine Forderung, so wurde der Sanitärtrakt danach ausgerichtet und eine Rampe als Zugang für Rollstuhlfahrer gebaut.
Rund 5000 (!) freiwillige Arbeitsstunden stecken inzwischen in der nunmehr als Bürgerhaus bekannten Villa. Nicht zu vergessen sind neben den Leistungen der handwerklich begabten und inzwischen geschulten Mitgliedern, die „versteckten“ Leistungen. Dazu gehören die Architektenleistung mit anschließender Bauleitung, das Catering während der Bauarbeiten, der allgemeine Organisationsaufwand, Telefonate, E-Mails, Besorgungen, Transporte usw.

IV. Heute
Am 28. Mai 2005 war es soweit. Das Bürgerhaus wurde unter großem Interesse der Mitglieder, Anwohner und der Politiker der Stadt eröffnet. Hufeisen, die das Glück in das Haus bringen sollen, wurden an der Veranda verewigt. Am 15. Juni des Jahres gab es die erste Kleinkunstveranstaltung. Schauspieler Günter Barton eröffnet vor ausverkauftem Haus den Reigen der Künstler, die das Bürgerhaus zu einem zentralen Punkt für Kunstliebhaber, nicht nur aus Finkenkrug, machen.
Das Haus bekommt internationales Flair. Marili Machado, Kulturbotschafterin Argentiniens, bringt das Publikum in Wallung, Grimme-Preisträger Heinrich Pachl alle zum Lachen, Gerd Schinkel, Journalist und Liedermacher, mit seiner Musik zum Nachdenken. Die Liste der Künstler wäre inzwischen lang. Aber die Kunstveranstaltungen sind nur eine Seite. Heute ist die Spiegelbildvilla in der Feuerbachstraße ein lebendiges Haus.
Viele Kurse beleben das einstmals verlassene Gebäude. Theater, Yoga oder Englisch werden hier vermittelt. Weitere werden folgen. Nicht zuletzt ist das Bürgerhaus Treffpunkt für die Mitglieder des Bürgervereins. Hier werden Veranstaltungen geplant, über die zukünftige Aktivitäten des Vereins beraten und der weitere Ausbau und die Gestaltung des Hauses in Angriff genommen. Öffentliche Bürgerdiskussionen zu aktuellen Themen des Umfeldes erfreuen sich regem Zuspruch.
Auch das gemeinsame Feiern kommt nicht zu kurz. Die ersten Stunden eines jeden Jahres verbringen die Mitglieder und Freunde im 'Ballsaal'. Um die Arbeit des Bürgervereins Finkenkrug vorzustellen gibt es Nachbarschaftstreffen und die Weihnachtszeit ist vor allem unseren vielen Kindern gewidmet. Weihnachtsgeschichten werden vorgelesen und passende Geschenke für die Eltern gebastelt.
V. Zukunft
Wir sind ausbaufähig! Für die nächsten Jahre steht der Ausbau des derzeit gesperrten Dachgeschosses an. Im Herbst 2006 entstand durch das marode Dach ein Wasserschaden, der auch den frisch renovierten „Ballsaal“ in Mitleidenschaft zog. Bereits auf dem Straßenfest sammelten die Mitglieder unter dem Motto „Wir haben einen Dachschaden“ erste Spenden für die dringend notwendige Reparatur.
In diesem Jahr will der Bürgerverein Finkenkrug die Bauanträge für den Dachausbau stellen. Der Bürgermeister versprach uns seine Unterstützung. Die für den Umbau erforderlichen Vorbereitungen wurden bereits durch das Verlegen von Leitungen für Heizung und Strom getroffen. Aber zusätzliche Fluchtwege, Türen, Fenster, Fußboden und Ständerwerk bzw. Beplankung der Wände werden noch reichlich Geld und manchen Tropfen Schweiß erfordern. Erste grobe Schätzungen gehen von ca. 40 000 Euro aus.
Die auf dem Straßenfest gesammelten Spenden reichen natürlich bei weitem nicht, um das marode Dach unseres Hauses zu sanieren. So werden die Mitglieder wiederum mit unkonventionellen Ideen um Spenden werben.
Für das Jahr 2008 heißt es dann wieder anpacken. Das Dachgeschoss soll dann mit viel eigenem Einsatz der Mitglieder saniert werden.
Es gibt viele Ideen für die Nutzung des so gewonnen Raumes: Computerzimmer, Künstlergarderobe und Jugendraum.
Auch die „Außenhaut“ bedarf in Zukunft der Überarbeitung. Die Fassaden, Dachziegel, besonders aber die Dachrinnen, Kehlen und Fallrohre sehen dem baldigen Ende ihrer Lebensdauer entgegen. Hierfür wurden grob 15 000 Euro veranschlagt.
Unser Garten mit seinen alten Obstbäumen ist die Zierde unseres Anwesens. Damit wir ihn im Sommer reichlich nutzen können müssen noch Wege, Zäune und Sichtschutz entstehen oder ausgebaut werden. Eine schöne Bepflanzung soll den Charakter der Villa unterstreichen.
In weiterer Ferne steht dann die Sanierung von Keller und Nebengelass an.
Viel Idealismus und den Mut richtig zu zupacken wird von den Mitgliedern auch in den nächsten Jahren gefordert, um das Haus in der Feuerbachstraße optimal für die Bedürfnisse aller Finkenkruger und Falkenseer zu gestalten, weiterhin mit Leben zu füllen und für die nächsten Generationen zu erhalten.